Veröffentlicht am Di., 3. Nov. 2020 00:00 Uhr

Seine Berufswahl verdankt  Stefan Lemke (40) wohl den musikalischen Großeltern: Neben Sozialpädagogik studierte er Musiktherapie. Er ist Mitarbeiter der Fachberatung Arbeit mit Seniorinnen und Senioren und Diakon.

„Ich bin doch noch kein Senior!“ - Wie oft hörst du im Arbeitsalltag diesen Satz?

SL:
Häufig. Wer heute 65 ist, fühlt sich meist nicht alt. Viele Senioren sind aktiv und gern gefordert. Die Altersspanne für unsere Seniorenarbeit liegt aber zwischen 60 und 100. Das sind fast zwei Generationen mit unterschiedlichen Interessen! Wir behalten deshalb klassische Dinge wie Seniorenkreise bei, bieten aber auch Reisen oder Pilgerwanderungen an.

Eine Studie sagt, Senioren seien heute aktiver und weniger einsam. Ab dem Alter von 80 Jahren ändert sich das aber.

SL: In diesem Alter ist der Partner vielleicht schon verstorben, Enkel leben weit weg, die Kinder rufen vielleicht einmal pro Woche an. „Ich werde nicht mehr gebraucht“, heißt es dann oft. „Doch!“, entgegne ich in so einem Fall: „Wir schätzen Sie als Mensch mit Ihren Fähigkeiten, ob im Ehrenamt oder im Chor.“

Du wolltest als Sozialpädagoge eigentlich einen ganz anderen Weg einschlagen.

SL: Ja, meinen Zivildienst habe ich in einem Heim für Menschen mit Behinderung absolviert. In einem Musiktherapie-Projekt habe ich als Student dann im Pflegeheim gearbeitet und gemerkt: Ich mag es sehr, wenn Menschen von früher erzählen, schätze ihre Lebenserfahrung. Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration stirbt ja aus und damit auch eine ganz andere Perspektive auf viele Dinge.

Was wünschst du dir für den Campus?

SL: Ich fände es super, wenn man Senioren, Eltern, Kinder, Jugendliche und Nachbarn zweimal die Woche zum offenen Mittagstisch in einer Mensa zusammenbringen würde. Vielleicht könnte man auch mit Schul- oder Kitakindern kochen!

Wie verbringt Stefan Lemke senior seinen Lebensabend?

SL: Von Mitte Januar bis Mitte April in südlichen Gefilden, wo es warm ist. Vor allem wünsche ich mir aber, dass es mir als Rentner gut geht und ich lange aktiv bleiben kann.

Wo trifft man dich, wenn nicht auf dem Campus?

SL: Beim Radfahren und Wandern. Und in Mecklenburg: Meine Schwiegereltern haben ein großes Grundstück mit Streuobstwiese. Dort habe ich meine Freude an Natur und Garten entdeckt.        

Interview: JK

Kategorien Campus-Gesichter