Veröffentlicht von Juliane Kaelberlah am Mi., 4. Sep. 2019 10:34 Uhr

Von Martina Rohrbach

Martina Rohrbach ist Mediatorin, Pädagogin und Psychotherapeutin. E-Mail:rohrbach@cw-evangelisch.de

Im Familienzentrum auf dem Campus Daniel entsteht eine Elternberatung.

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Viel Wahres steckt in diesem alten Spruch. Jedes kleine Wesen braucht Obhut und Zuneigung. Und alle Eltern geben ihr Bestes; davon bin ich überzeugt. Aber wissen sie immer, was das Beste für ihr Kind ist? Entsprechen ihre Vorstellungen den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie Kinder ticken und was sie brauchen, jedes individuell?

Wenn Konflikte unlösbar scheinen

Auf viele Erziehungsfragen gibt es keine schnellen und universellen Antworten. Um Eltern zu unterstützen, bauen wir derzeit eine niedrigschwellige Elternberatung auf dem Campus auf. Die Nachfrage zeigt uns, dass Familien Orientierung und Unterstützung suchen, auch wenn es ihnen oft nicht leichtfällt, das auszusprechen.

Manchmal sind es nur kleine Konflikte, die das Familienleben belasten, ab und an aber auch größere Baustellen. „Ihr Kind verhält sich in der Kita anderen Kindern gegenüber aggressiv“, „Ihr Kind spricht nicht“ oder ist anderweitig auffällig und erfüllt nicht die Norm. Nein, das möchte man als Eltern nicht wahrhaben. Auch was eine Trennung der Eltern mit jedem einzelnen Kind macht, obwohl sich doch so viele Paare trennen, ist schwer nachzuvollziehen, wenn der Alltag weitergehen muss.

Es gibt offizielle Stellen für Erziehungsberatung und Jugendämter; meist überlaufen und ein bisschen unheimlich. Man geht da doch nur hin, wenn etwas mit dem Kind oder einem selbst nicht stimmt! Oft wird ein Besuch dann so lange hinausgeschoben, bis es nicht mehr geht.

Es sollte das Natürlichste auf der Welt sein, sich Unterstützung zu holen, wenn es zum Wohle des eigenen Kindes ist und einem selbst weiterhilft. Es gäbe keine Pädagogen, Psychologen, Mediatoren und Ärzte, wenn diese Professionen keinen Sinn erfüllen würden.

Ich empfinde es als großes Glück, dass ich meine verschiedenen Arbeitsfelder und Erfahrungen in integrierter Form in unserer Elternberatung anbieten kann.

Beratung bei Fragen und Konflikten
Wir beraten offen und nach Bedarf und begleiten Eltern in allen pädagogischen Fragen. In absolut vertraulichem Rahmen sind wir für Familien da und bieten auch Mediation bei Konflikten aufgrund von Trennung oder Scheidung, in der Familie oder der Tagesbetreuung und Schule an.

Kinder kommen eigentlich zu früh auf die Welt, um allein lebensfähig zu sein. Ihr Gehirn wächst mit den Aufgaben: Je nachdem, welche Erfahrungen sie im emotionalen und kognitiven Bereich machen, furcht sich das Gehirn und entwickelt seine grundsätzlichen, unveränderbaren Strukturen. Kinder können sich noch nicht selbst regulieren; sondern sind angewiesen auf die Co-Regulation durch Erwachsene. Je nach Geburtsort, Kultur und sozialen Bedingungen geben Eltern ihre Wertvorstellungen durch ihr eigenes Verhalten per Identifikation an die Kinder weiter – weitgehend unbewusst.

Erwachsenenbildung – Elternbildung!
Eltern können nicht alles wissen, aber neugierig bleiben. Welche Rechte haben Kinder? Weshalb ist Kinderschutz wichtig? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung braucht ein Kind? Wir geben ihnen einen Einblick in entwicklungspsychologische Basisthemen – zum Beispiel Bindung, Eingewöhnung in der Kita, kindliche Sexualität und über wissenschaftliche Erkenntnisse, wie Kinder überhaupt lernen. Auch der Umgang mit Medien in der digitalen Welt und dem Konsumverhalten ist ein Thema, das Familien beschäftigt – wie oft haben Sie zum Beispiel in den vergangenen Stunde auf Ihr Handy geschaut?

Was wir Erziehung nennen, geschieht auch über Vorgaben und Grenzen, die nach unserem eigenen traditionellen Denken gut für das Kind und seine Zukunft sind. Eine große Herausforderung, wenn die Zeit fehlt, berufliche Anforderungen den Alltag bestimmen, Konsum oft als Trost herhalten und die Begleitung und Betreuung der heranwachsenden Kinder in die Hände öffentlicher Einrichtungen gelegt werden muss.

Netzwerke für Familien ausbauen
Immer mehr Eltern haben durch berufliche Mobilität keine Verwandten im Umfeld. Wir wollen sie zum Netzwerken ermutigen: Wie gehen andere Familien mit Themen wie Smartphonenutzung, Eifersucht unter Geschwistern oder Streitkultur um, und wie können sie sich gegenseitig unterstützen? Wir schaffen Gelegenheiten für einen lockeren Austausch, zum Beispiel bei Filmabenden oder Vorträgen.

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