Veröffentlicht am Di., 16. Jul. 2019 00:00 Uhr

Sabine Maaß (60) hat Geschichte, Germanistik, Soziale Arbeit und Industriedesign studiert.Ein echter Fundus für die Jugendarbeit, in der sie vor allem die Kreativität und den Freiraum mit Jugendlichen schätzt.

Du bist gerade mit dem Jugend-Bauwagen über Landstraße zum Kirchentag und zurück gefahren. Da muss man seinen Beruf lieben, oder?

Sabine Maaß: Oh ja! Ich arbeite mit Menschen, die Beeindruckendes leisten, wenn ich an Theaterstücke denke oder das Digitalprojekt „OMG“. Wie die Jugendlichen sich da reinhängen! Das begleiten zu dürfen, ist ein Fest.

Hält Jugendarbeit jung?
Ja, aber es ist auch stressig. Jugendarbeit heißt, viel körperlich und am Wochenende arbeiten, viele Partys. Eine Zeit lang haben wir jede Woche mit den Jugendlichen eine Party gefeiert. Das geht an die Substanz (lacht).

Dein Steckenpferd sind Theaterproduktionen wie "Jesus Christ Superstar" und zum Thema Nationalsozialismus.
Vom Theater war ich immer begeistert und schätze es als Ausdrucksform. Nach der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz zum Beispiel konnten wir mit verschiedenen Medien in einem Stück unsere Erfahrungen verarbeiten. Mit Jugendlichen solche Stücke zu entwickeln, ist hochkreativ!

Wie sah deine eigene Jugend aus?
Ich bin am Nikolassee groß geworden. Wir haben Flöße gebaut, sind Schlittschuh gelaufen, hatten viel Freiheit. Die Eltern konnten nicht anrufen oder einem auf Social Media folgen. Sie hatten ihre Erwartungen, aber man war nicht so vollgestopft mit Terminen wie junge Menschen heute. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Jugendarbeit einen Raum außerhalb der Schule bietet, wo sie sich anders darstellen können.

Wie bringt man Jugendlichen Glauben nahe? Über Gemeinschaft und Vertrauen. Wir trauen ihnen zu, dass sie wichtige Aufgaben schaffen, zum Beispiel als Teamer mit jüngeren Jugendlichen zu arbeiten, eigene Gedanken und Inhalte weiterzugeben. Und natürlich auf unseren Jugendreisen: Wenn man tagelang gemeinsam auf einem Segelschiff ist, schweißt das unglaublich zusammen.

Was wünschst du dir für den Campus?
Ein Café fände ich toll.

Wo trifft man dich, wenn nicht hier? Seit zwei Jahren habe ich freitags bis sonntags mein Friedhofscafé auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, das viel Zeit in Anspruch nimmt – ich backe selbst!

Interview: JK

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