Veröffentlicht am Mi., 17. Apr. 2019 00:00 Uhr

Martina Rohrbach (63) war 27 Jahre Fachberaterin für evangelische Kindertagesstätten. Seit Januar baut die Diplom-Pädagogin und ausgebildete Mediatorin eine Elternberatungsstelle im Familienzentrum am Campus auf.

Was nehmen Sie aus der Kita-Fachberatung für Ihre Arbeit im Familienzentrum mit?

Martina Rohrbach: Ich halte es für unglaublich wichtig, Eltern zu bilden und zu stärken. Bevor man Autofahren darf, muss man den Führerschein machen. Ein Kind bekommt man einfach und legt los. Ich gehe davon aus, dass Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen, aber oft so handeln, wie sie es selbst erlebt haben − oder wie die wenige Zeit es zulässt. Oft wird ihnen erst im Gespräch bewusst, weshalb sie bestimmte Dinge tun und wie die Entwicklung ihres Kindes abläuft.

Zwischen „Lob der Disziplin“ und „unerzogen“ reicht heute die Bandbreite in der Erziehung. Fällt es da nicht schwer, seinen Stil zu finden?

Früher waren die Normen rigider. Es war eindeutiger, was man macht und was nicht. Das Wichtigste war und ist aber, sich mit dem Kind auseinanderzusetzen − im positiven Sinn. Wenn Eltern sich Zeit nehmen, zuzuhören und sich auf die Kinder einzulassen, brauchen sie gar keine Ratgeber.

Was schätzen Sie an Ihrer arbeit?

Dass das Zentrum meiner Arbeit das Kindeswohl ist. Sicher hat das auch mit mir persönlich zu tun: Ich hätte mir als Kind gewünscht, dass man sich mehr um mich kümmert. Früher habe ich auch in der Suchtprävention und mit Jugendlichen gearbeitet, aber gerade in den ganz jungen Menschen gute Gegenüber gefunden. Die Arbeit ist für mich außerdem hochpolitisch: Die Kinder von heute müssen irgendwann einmal die Welt erhalten, menschliche Wege im Umgang finden. So wie es gerade aussieht, wird einem sehr bewusst, wie schnell gesellschaftlich alles kippen kann. Sie brauchen also unsere Kraft und Unterstützung.

Was wünschen Sie sich für den Campus?

Mein Wissen und Können weitergeben zu können und in guter Atmosphäre mit entspannten Menschen zu arbeiten. Wenn ich hier weggehe, und etwas entstanden ist, das bleibt − das wäre toll.

Wo trifft man Sie, wenn nicht hier?

Mich hat der Tango erwischt, also tanze ich, reise nach Buenos Aires, lerne gerade ein neues Musikinstrument und habe auch wieder angefangen zu singen. Ich erfülle mir gerade meine Kinderträume auf zwanglose Art und Weise.                           

Interview: JK

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